Am vergangenen Sonntagmorgen, dem 18. Mai, wurde unsere Stadt Bielefeld erschüttert. Vor dem Club „Cutie“ an der Mindener Straße hat ein Mann wahllos auf junge Menschen eingestochen, Menschen, die das Leben gefeiert haben, die tanzen wollten, lachen, lieben, leben. Sechs wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

Unsere Gedanken sind bei den Verletzten. Wir wünschen ihnen von Herzen eine vollständige Genesung, körperlich wie seelisch. Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen, ihren Freundinnen, Freunden, Familien und allen, die in dieser Nacht vor Ort waren.

Dieser Angriff war feige. Er richtete sich gegen das, was viele nicht verstehen oder nicht ertragen können: Freiheit, Lebensfreude, Gemeinschaft. Junge Menschen, die nachts durchatmen, ihre Sorgen für ein paar Stunden vergessen und einfach sie selbst sein wollen.

Solche Taten haben eine verstörende Geschichte. Immer wieder wurden Orte des Feierns, der Musik und der Begegnung zu Zielen brutaler Gewalt. Im September 1980 explodierte eine Bombe am Haupteingang des Münchner Oktoberfests – ein rechtsextremer Attentäter riss 13 Menschen mit in den Tod und verletzte über 200 weitere schwer. Wenige Jahre später, im Januar 1984, verübten die rechtsextremen und fanatisch-religiös motivierten Täter der sogenannten „Gruppe Ludwig“ einen Brandanschlag auf die Diskothek „Liverpool“ in der Münchner Innenstadt. Sie warfen Brandsätze in den Eingangsbereich der Disco; mehrere Menschen wurden verletzt, eine junge Frau, Corinna Tartarotti, starb später an ihren schweren Verletzungen. Im Oktober 2002 erschütterte ein islamistisch motivierter Doppelanschlag auf Nachtclubs im indonesischen Bali die Welt; 202 Menschen starben. Im November 2015 stürmten Terroristen des sogenannten Islamischen Staats in Paris das Bataclan-Theater während eines Rockkonzerts und töteten 89 Besucherinnen und Besucher. Im Juni 2016 verübte ein Attentäter im LGBTQ+-Club Pulse in Orlando einen der schwersten Anschläge auf queere Menschen weltweit; 49 Menschen verloren ihr Leben. In der Silvesternacht 2017 erschoss ein Anhänger des IS im Istanbuler Reina-Club 39 Gäste. Im Oktober 2017 tötete ein Einzeltäter vom Fenster eines Hotels aus 58 Besucherinnen und Besucher des Route 91 Harvest Festivals in Las Vegas. Ein rechtsextremer Attentäter erschoss am 19. Februar 2020 neun Menschen mit Migrationshintergrund in und vor zwei Shisha-Bars. Er hinterließ ein wirres Manifest mit rassistischem und verschwörungsideologischem Inhalt. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. Das war ein gezielter Angriff auf migrantisch geprägte Freizeitorte und auf das friedliche Zusammenleben. Und im Oktober 2023 schließlich griffen Hamas-Kämpfer das Nova-Festival in Israel an; mindestens 260 junge Menschen wurden brutal ermordet.

So unterschiedlich die politischen, religiösen oder ideologischen Hintergründe all dieser Taten auch waren, sie alle hatten eines gemeinsam: Sie richteten sich gegen glückliche Menschen. Gegen das freie Leben. Gegen das Feiern, Tanzen, Lieben. Gegen uns alle.

Aber genau das lassen wir uns nicht nehmen.

Ich sage ganz klar: Bielefeld ist kein Ort, an dem man das Glück der anderen angreift, und Bielefeld wird auch nicht zu einem Ort, an dem wir uns unser Glück verbieten lassen. Wir werden unsere Clubs nicht aufgeben, unsere Festivals nicht absagen und unser freies Leben nicht verbergen. Gerade jetzt, erst recht.

Was es jetzt braucht, ist Solidarität. Mit den Opfern. Mit den Clubbetreibenden. Mit allen, die jeden Tag dafür sorgen, dass Bielefeld eine lebendige, bunte, offene Stadt bleibt.

Wir trauern. Wir stehen zusammen. Und wir sagen laut und deutlich:

Wir tanzen weiter. Wir leben weiter. Wir lassen uns unser Glück nicht nehmen.

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